Dienstag, 21. Oktober 2008

Hump Ridge Track

Hump Ridge


So langsam wird's ernst: Die Klausuren rücken näher und unsere Zeit in Dunedin neigt sich dem Ende zu. Am letzten Wochenende waren wir nun das letzte mal vor unserer großen Reise trampen, diesmal direkt an der Südküste.

Dort gibt es den Hump Ridge Track, den wir noch schnell in der Nebensaison machen wollten, da er im Grunde als schöner Track gilt, aber im Sommer überlaufen ist von Hubschrauber-Touristen die zu faul sind, den Track vernünftig zu wandern und sich lieber von Hütte zu Hütte fliegen lassen.

Von Dunedin aus ging es Freitag abends Richtung Südküste zusammen mit Cleo aus Neuseeland und Emily aus den USA mit denen wir schon auf ein paar anderen Trips waren. Vom Start des Tracks aus ging es zuerst zum Strand, wo wir die erste Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen wurden wir dann massiv von den garstigen Sandflies gepiesackt. Wenigstens schlafen diese Biester nachts, aber die Bisse jucken noch tagelang. Leider war unsere Abwehrchemie schon aufgebraucht...

Bis zum eigentlichen Start des Tracks ging es zuerst entlang einer vom Meer weg gespülten ehemaligen Autostraße. Das Wetter war sich noch nicht ganz sicher, wie es werden wollte, so dass sich blauer Himmel und Regen bringende Wolkenbänder abwechselten. Nach ein paar Schauern und Regenbögen siegte dann aber der Sonnenschein und wir konnten einen tropisch anmutenden Strand entlang wandern.

Der Track hat die Form eines Lassos, bei dem wir am langen Ende starteten. Gegen Mittag erreichten wir dann die Kreuzung von welcher der runde Teil startet. Nach einem Lunch bestehend aus Müsliriegeln und Sandwiches ging es ab hier dann nicht mehr so flach am Strand entlang wie vorher, sondern auf Brettern, welche die zarte Vegetation vor dem Trampeln der Wanderer schützen sollen, immer steiler bergauf, um das Hump Ridge zu erklimmen. Der dichte Busch hatte zwar seine eigene Schönheit, trotzdem waren wir froh, als wir nach ein paar Stunden oberhalb der Bush-Linie ins Freie traten und einen schönen Blick auf die Buchten und Strände der Südküste so wie auf die schneebedeckten Gipfel Fjordlands hatten.

Einmal aus dem Busch raus, dauert es auch nicht lange, bis wir zur Okaka Hut kamen, wo wir die erste Nacht verbringen würden. Wir besetzten schnell die schönsten Betten und ließen dann die Rucksäcke zurück um das eigentliche Hump Ridge zu erklimmen. Oben verließen wir dann den markierten Weg und wanderten ein bisschen den Gebirgskamm entlang und kletterten auf diverse, interessant geformte Felsen. Von hier habe ich mich auch an einem 360-Grad Panorama versucht, aber ein Foto lässt sich in die Reihe nicht einfügen, so dass es ein bisschen weniger ist.

So langsam bekamen wir dann aber auch Hunger und kehrten zur Hütte zurück, um ein Pilzrisotto mit Kidneybohnen und Cashew-Nüssen zu kochen. In der Zwischenzeit hatte auch ein Kea unsere Ankunft bemerkt und sich auf der Veranda niedergelassen, von wo er noch sein Junges herbei rief, um es zu füttern. Zum Glück hatten wir unsere Sachen schon hereingebracht, so dass nichts angeknabbert wurde.

Am nächsten Morgen sind wir früh aufgestanden um wieder auf das Ridge zu klettern und den Sonnenaufgang über dem Pazifik zu sehen. An diesem Tag war das Wetter absolut traumhaft. Keine Wolke am Himmel, kaum Wind und angenehme Temperaturen. Von der Okaka Hut aus ging es weiter entlang dem Ridge, aber diesmal nach unten, immer abwechselnd mal im Freien und mal im Busch. Das ging recht lange so, bis wir schließlich wieder auf Meereshöhe waren und über ein paar alte Holz-Viadukte in die verlassenne Holzfällerstadt Port Craig kamen, wo die Hütte zum Übernachten das ehemalige Schulgebäude ist.

Die Hütte war auch schon recht gut gefüllt mit freiwilligen Arbeitern für das Department of Conservation, welche die Tracks in der Region für die bevorstehende Saison aufbereiteten. Hier ließen wir erst mal unsere Sachen zurück und machten uns auf zum Stand, um uns abzukühlen. Leider konnte man am Strand nicht bräsig in der Sonne herumlungern, weil es auch hier zu viele Sandflies gab. Das Schwimmen war aber trotzdem erfrischend. Zum Glück gab es eine durch Felsbuhnen geschützte Bucht, denn außerhalb von diesem Bereich waren die Wellen schon sehr hoch und wild.

Nach dem Bad ging es dann noch ein bisschen an der Küste entlang, wo wir sogar ein paar der seltenen Hektor-Defline sahen, die in den brechenden Wellen spielten. Einen konnten wir dabei beobachten wir er eine anrollende Welle ritt und dann einen Luftsprung vollführte.

Zurück in der Hut gab es Lauchnudeln mit Möhren und Erdnüssen, außerdem viel warmes Milo. (Das ist der Kakao, der überall in Neuseeland getrunken wird). Der Schlaf in dieser Hütte war aber leider nicht sehr erholsam, da einer der Arbeiter gnadenlos schnarchte. Lektion für die nächste Wanderung: Ohrenstöpsel kaufen.

Der dritte Tag bestand aus zwei Teilen: Zuerst ging es durch üppigen, saftigen Wald, zwischendurch von malerischen Buchten unterbrochen. Auch hier aber leider: Sandflies. In der zweiten Hälfte ging es dann direkt am Strand entlang, wo wir schließlich die Schuhe auszogen um die Füße zu befreien. Das letzte Stück kam uns, wie das halt so ist, besonders lang vor, so dass wir am Ende froh waren, wieder beim Auto zu sein. Dort brachen wir in aller Eile zurück nach Dunedin auf, weil uns - Überrsaschung - wieder ein dicker Schwarm Sandflies plagte.

In der letzten Woche haben wir dann unsere letzten beiden Assignments fertig gestellt und lernen jetzt brav für die letzten beiden Klausuren unseres Lebens (hoffentlich...). Währenddessen planen wir auch schon die drei Monate, in denen wir durch das Land reisen. Am 4. November geht es in aller Frühe los, zuerst ganz in den Süden nach Stewart Island. Dort machen wir den South-Western-Circuit, was der entlegenste der drei Tracks auf der Insel ist. In noch entlegenere Teile kommt man nur, wenn man ganz die vorgefertigten Pfade verlässt und sich so durch den Busch schlägt, aber so fit fühlen wir uns in Navigation noch nicht. Auf jeden Fall gibt es dort eine sehr hohe Chance, Kiwis zu sehen, und auch Fischen soll dort praktisch wie von selbst gehen...

Unsere weiteren Reisepläne sind noch nicht hundertprozentig fest. Wahrscheinlich kommt nach Stewart Island der Dusky Track im Südwesten Fjordlands an die Reihe, weil auch dieser Track sehr entlegen und spektakulär ist.

Da es in den Nationalparks weder Internetcafés noch Handyempfang noch Poststellen gibt und wir nur gelegentlich Backpacker und Städte aufsuchen werden, wird man von uns in dieser Zeit wohl nicht allzu viel hören. Also, nicht wundern wenn wir uns mal 2 Wochen lang nicht melden und Fotos online stellen.

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