Montag, 17. März 2008

Fiordland/U-Pass

Direkt nach unserem Wander-Wochenende in Paradise ging es diese Woche nach Fjordland:

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Beim Pre-Meeting am Dienstag hatten wir uns diesmal einen "Medium/Hard"-Trip ausgesucht. Unsere holländische Gruppenleitern, Jorinde, kündigte einen harten Trip mit viel "Bush-Bashing" (ohne festen Weg durch Gebüsch trampeln) an, so dass wir uns am Tag darauf erst mal Gaiters (diese Beinschützer, die ihr auf den Fotos sehen werdet), Blasentape, Insect-Repellent und Wasserdesinfektionstabletten besorgt haben...

So ausgerüstet ging es am Freitag im eigens für unsere Gruppe gemietet Van zusammen mit einer Kanadierin und vier Kiwis Richtung Fjordland. Die Nacht verbrachten wir recht unspektakulär auf einem Standard-Campingplatz, um dann am nächsten Morgen durch Milchpulver-Müsli gestärkt gegen 9 Uhr aufzubrechen.

Unsere Route sah vor, den U-Pass zu durchwandern. Zunächst mussten wir dazu über die Baumlinie kommen und starteten die Wanderung mit einem Trampelpfad durch einen massiven Birkenwald, über ein Walk-Wire und recht bald durch einen etwa knietiefen Fluss. Selbst die Gaiters konnten nicht verhindern, dass Wasser von oben in die Schuhe schwappte und die Socken triefend nass machte, was zwar nicht sehr angenehm ist, aber immerhin die Reibung vermindert. Es ist auf jeden Fall besser, einfach weiter zu laufen, als die Schuhe auszuziehen um das Wasser rauszulassen.

Der Birkenwald wurde zu einem immer dichteren Busch und man war wirklich froh um die Gaiters, die einem die bösesten Schienbeinkratzer ersparten. Durch Gestrüpp und Geäst kämpften wir uns schließlich auf eine Lichtung, wo wir unser üppiges Lunch (mit Avocados, Tomatencreme und Käse) abhielten.

Der offizielle "Track" (soweit man davon sprechen konnte), endete hier. Von nun an ging es einfach querfeldein durch das Gelände. Zunächst weiter durch dichtes Gestrüpp, kamen wir schließlich zum Bett eines kristallklar vor sich hinplätschernden Gebirgsbaches dem wir mal am Rand entlang und mal mittendurch weiter nach oben folgten.

Als der Wasserfall selbst schließlich zu steil wurde, wurde es trickreich, da wir einen recht steilen Hang hinauf mussten. Glücklicherweise war dieser üppig mit dickem Gras bewachsen, an dem man sich gut hochziehen konnte. Oben angekommen fanden
wir uns auf einem ausgedehnten Plateau mit Blick auf Bergkämme und Gletscher wieder. Ein Kea (dicker Alpen-Papagei) überflog uns kurz und Jorinde erzählte uns, dass diese lustigen Vögel keine Angst (bzw. keinen Respekt) vor Menschen haben und
auf ihrer Suche nach Essen auch unsere Ausrüstung auseinander nehmen und anknabbern würden, was mit deren kräftigen Schnäbeln durchaus ernsthafte Schäden hinterlassen würde.

Nun ging es an den Aufstieg zum eigentlich Pass, der als Bruchlinie bei einem Erdbeben entstanden ist. Sein Name erklärt sich leicht, wenn man sich die Fotos ansieht. Der Weg nach oben war ziemlich steil, aber mit festerem Untergrund als beim
vorherigen Hang. Oben angekommen konnte man zwischen zwei senkrecht nach oben ragenden Felswänden ein beeindruckendes Panorama genießen und etwas zur Ruhe kommen.

Nachdem der Ausblick genug genossen wurde, ging es die andere Seite des Passes hinunter. Zuerst durch ein Geröllfeld, dann durch ein ausgetrocknetes Bachbett. Zwar ist es bergab weniger anstrengend, dafür geht es aber in die Knie, und man muss gut darauf achten, nicht schneller nach unten zu kommen, als einem lieb ist. Nach einer guten Stunde schließlich fanden wir uns auf einem weitläufigen Plateau mit kleinen Büschen und einem Wasserfall wieder. Hier beschlossen wir, unsere Zelte aufzuschlagen und die Nacht zu verbringen.

Nachdem die Wasservorräte mit kristallklarem Bergwasser aufgefüllt wurden und die Zelte standen, konnte das Kochen beginnen. Geplant war eine Linsensuppe mit gebratenem Gemüse, welche dann als Dip für Tortilla-Chips dienen würde. Leider war der Kochtopf Mist (viel zu niedriger Wärmeleitkoeffizient), so dass die Linsen verbrannt sind. Da großzügig eingekauft wurde, hat der Rest aber trotzdem gereicht und uns alle satt gemacht. Während der ganzen Zeit konnte man Keas rufen hören, leider hat sich dann aber doch keiner zu uns gesellt. Dabei hätten wir ihnen gerne unsere Linsen gefüttert. Mittlerweile war es auch schon dunkel und neblig, außerdem hatte es angefangen, leicht zu nieseln. Also haben wir uns erschöpft in unsere Schlafsäcke gerollt und ungestört geschlafen.
U-Pass, Tag 1


Angeblich soll es in Fjordland um diese Zeit ein Erdbeben der Stärke 4.0 gegeben haben, das aber nicht in der Lage war, uns aufzuwecken. Das haben dann am nächsten Morgen wieder die lauten Keas getan (die sich aber einfach nicht zeigen wollten!). Zum Frühstück gab es eine Tramping-Spezialität: Porridge, ein schleimiges Etwas (die Holländer nennen es "Pap"), das noch nach weniger schmeckt als das Vakuum. Mit Rosinen, geröstetem Müsli, Butter und Zucker geht es dann doch, und was so nichtssagend schmeckt ist sicher gesund...

Da wir gut in der Zeit lagen, konnten wir den Tag ruhig angehen lassen. Nach dem gemütlichen Frühstück und dem Zusammenpacken der Zelte ging es weiter bergab, durch einen sanft plätschernden Bach voller richtig dicker Felsbrocken, zwischen denen man herumklettern musste. Leider scheint meine Kamera irgend ein Problem zu haben, da viele Fotos überbelichtet, unscharf oder farbstichig sind. Mal alles gut reinigen...

Nach einer guten weiteren Stunde voller Felsen kamen wir an eine Stelle, wo das Bachbett etwas weiter wurde. Hier hatten wir unser üppiges Lunch. Weil wir viel Sonne hatten und es wirklich heiß war, sind noch mal alle in den eisig kalten Bach gesprungen, um sich etwas abzukühlen. Glücklicherweise gab es in der Gegend keine Sandflys, so dass wir in Ruhe an der Sonne trocknen konnten, ohne völlig zerstochen zu werden.

Das letzte Stück bestand wieder größtenteils aus Bush-Bashing und dem Kraxeln über umgestürzte Bäume, Felsbrocken und dicke Wurzeln. Mittlerweile hatten wir auch wieder einen markierten (aber keineswegs ausgebauten) Pfad erreicht, der uns mitten durch einen Fluss schickte und dann ein bisschen einen Bach entlang.

Nachdem wir noch zwei weitere Bäche durchquert hatten, was immerhin die Schuhe sauber macht, bin ich in ein Matschloch getreten. Das verriet mir, dass keine weiteren Flussüberquerungen kommen würden, und so war es dann auch...

Pünktlich um vier fanden wir uns an der Stelle wieder, an der wir losgegangen waren. Der in einem Baumloch versteckte Schlüssel zum Van war auch noch da, und wir fuhren los, um eine andere Gruppe zu treffen. Der Plan sah vor, dass eine Hälfte dieser Gruppe bei uns, die andere in einem großen Bus mit allen anderen fahren sollte. Das Problem war nur, dass der Bus aus unerfindlichen Gründen schon losgefahren war, ohne "seine" Hälfte der Gruppe mitzunehmen. Es fühlte sich wohl auch sonst keiner für uns zuständig, so dass wir (Handyempfang gibt es in Fjordland nicht) erst mal 4 geschlagene Stunden auf den Bus gewartet haben, bis wir dann mit einem ziemlich überfüllten Van (3 mehr Leute als geplant, plus deren Gepäck) losgefahren sind. Irgendwann schien die Fehlplanung aufgefallen zu sein, jedenfalls kam uns nach etwa einer Stunde Fahrt ein anderer Van entgegen, um die überzähligen Leute aufzunehmen.

Nachdem auch diese Geschichte heil überstanden war, sind wir schließlich Richtung Dunedin gefahren. Auf dem Weg wurden noch ein paar Fishs und Chips verspeist, bis wir schließlich um 1 Uhr nachts wohlbehalten im Abbey College ankamen. Nach einer verdienten warmen Dusche sind wir dann endlich ins Bett geplumpst.

Auf jeden Fall ein atemberaubend schöner und spaßiger Trip!
U-Pass, Tag 2

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